
Keine Angst vor der Kinderkrippe
Erfahrungen aus 10 Jahren Kleinkinderkreis „Freude an Musik“
7.30 Uhr morgens.
Guten Morgen!
Markus ist ein fröhlicher 16 Monate alter Bub der seit 2 Monaten 2 x wöchentlich zu den Kindern in den Kleinkinderkreis „Freude an Musik“ spielen kommt. Sein Vater zieht ihm im Vorzimmer seine Schuhe und seine Jacke aus. Seine Hausschuhe stehen im Regal und während sein Vater die Jacke auf Markus seinen Haken hängt – neben seinem Haken ist eine Lokomotive aufgezeichnet- beginnt Markus ein bisschen zu weinen. Er freut sich zwar schon mit den Kindern zu spielen, aber das Abschiednehmen vom Vater fällt ihm noch sehr schwer. Die Kindergartentante nimmt ihn auf den Arm geht mit ihm in das Zimmer zu seinem Lieblingsspielzeug einer Holzlokomotive. Er lässt die Lok über den Berg herunterfahren. Raphael setzt sich zu ihm und die beiden beginnen ihr Spiel. Dabei vergisst Markus schnell den Schmerz.
Auch Lisa kommt mit ihrer Mama. Sie will auch aus dem Vorzimmer abgeholt werden, aber sie ist schon seit mehreren Monaten bei uns und sie ist schon die „Große“ mit ihren 2 Jahren. Sie läuft alleine in die beiden Spielzimmer und schaut sich um, ob eine Freundin schon da ist.
So kommen nach und nach alle für diesen Tag angemeldeten Kinder. Fast alle wollen von uns im Vorzimmer abgeholt werden. Manche wollen getragen werden, andere gehen an der Hand oder schon ganz alleine herein.
Einige Mütter wollen sich morgens Zeit lassen und kommen auch erst gegen 9.30 Uhr. Wir haben nichts dagegen.
9.30 Uhr
Paul feiert seinen 2. Geburtstag und wir wollen ein kleines Fest bereiten. Ein kleiner Tisch, der sonst in der Puppen-Ecke steht wird herein getragen und Paul darf sich einen Freund oder eine Freundin dazuholen. Auf den Gugelhupf kommen 2 Kerzen und wir singen „Happy birthday“, „der Paul der hat Geburtstag…..“ etc. Dann gibt es heute ausnahmsweise zu Brot, Banane und Apfel auch Kuchen. Natürlich ist alles klein geschnitten und nach Wahl. Bei uns muss niemand essen, jeder darf essen. Valentin hat sein eigenes Brot mitgebracht, er darf kein Weizenbrot essen da er an einer Allergie leidet und Sophie mag keine Banane.
Nach der Jause stellen die größeren schon selbst ihre Sessel zu einem Kreis. Alle warten schon auf unser kleines Sing- und Tanz-Programm. Wir sind immer wieder erstaunt wie viel unsere 2-3 jährigen schon singen, tanzen, klatschen, stampfen, sich drehen etc. können. Wir bereiten gerade das Laternenfest vor. Zu diesem Fest laden wir alle Eltern, Großeltern und Tanten ein. Die Wohnung wird dann immer brechend voll, aber es hat noch jedes Jahr viel Spaß gemacht. Wenn es dann dunkel ist, gehen wir mit den Eltern, den Kindern und den von uns gebastelten Laternen einmal um den Häuserblock.
Also singen wir „Ich geh mit meiner Laterne“ und „Wir tragen unsre Laterne..“ .Natürlich auch den Bi-ba-Butzemann, das Häschen in der Grube, und 1,2,3 im Sauseschritt und vieles mehr.
Nach etwa 15 – 20 Minuten ist das Sitzen für die Kleinsten schon genug und sie verlassen den Kreis. Meist schließen sich dann alle anderen auch an.
Jetzt ist wieder Zeit für alle sich Spielsachen auszusuchen, auf der Matratze zu kugeln etc. Fast alle finden eine Beschäftigung. Die Größeren legen schon recht gerne Puzzles.
Die Kinder, die keine Windel mehr brauchen werden erinnert, den Topf zu benützen und die Kleinen werden dann alle einmal gewickelt.
Um 11 Uhr wird dann langsam begonnen das Mittagessen vorzubereiten. Es gibt Schinkenfleckerl und eine Gurke. Viele kommen auch jetzt um etwas zu trinken. Wir haben uns von einem Oberösterreichischen Bauern einige Kisten frisch gepressten Apfelsaft liefern lassen und so bekommen die Kinder verdünnten Bio-Apfelsaft. Die Kinder können jederzeit trinken, aber meist kommen sie „gruppenweise“.
Den Kleinen wird das Fläschchen immer wieder zwischendurch angeboten.
Ab 11.30 Uhr sollte dann auch wieder alles Spielzeug, in den Kisten verstaut sein, denn im großen Spielzimmer wird dann geschlafen und wir brauchen Platz für die Matratzen. Manchmal gibt es da auch sehr fleißige Helfer – aber eben doch nicht immer!!
Um 11.45 Uhr setzen sich die Kinder zu den Tischen und wir verteilen die Lätzchen!
Wir bemühen uns für jeden etwas „Essbares“ auf den Teller zu legen. Manche mögen vom Gemüse nur die Karotten, andere nur den Mais. Einige essen nur Wurst und andere essen einfach alles – denn essen ist einfach wunderbar und man kann nie genug haben! Es gib da natürlich auch schnelle Esser und besonders langsame. Einigen muss man noch helfen, andere schaffen es schon ganz alleine. Besonders toll ist es Spaghetti zu essen – viele Nudeln landen am Boden! Aber die Fertigkeit den Löffel mitsamt den Nudeln zum Mund zu führen ist ganz schön schwer! Auch der Nachbarteller ist immer interessant. Mag mein Nachbar wirklich die Wurst nicht ? Sollte ich es vielleicht probieren ihm ein Stück zu nehmen wenn er nicht hinschaut? Da kommt es schon vor, dass ein hartnäckiger Essensverweigerer doch zu seinem Löffel greift – denn wegnehmen lassen will man sich doch nichts!
Nach dem Essen gibt es Saft. Einige im Fläschchen, andere im geschlossenen Becher, und die „Großen“ im offenen Becher.
Nach dem Händewaschen werden die Halbtagskinder abgeholt. Die anderen ziehen sich die Hose und die Hausschuhe aus und laufen auf das vorbereitete Bett. Jedes Kind hat einen Polster und eine Decke mit seinem Zeichen und entweder den mitgebrachten Teddy oder die Puppe oder es sucht sich von unseren Teddys einen aus. Die Schnuller oder Fläschchen werden verteilt und dann wartet die Kindergärtnerin bis alle schlafen.
Gegen 14.00 Uhr schauen wir, wer wach geworden ist. Die Kinder gehen auf den Topf oder werden gewickelt. Sie versuchen ihre Hose vom Sessel zu holen und wir helfen beim Anziehen. Auch die Hausschuhe ziehen sie wieder an und dann gibt es noch eine Jause.
Der Nachmittag ist meist ruhiger und wir können die Zeit zum Vorlesen und Puzzlelegen nützen.
Mit Mama, Papa oder auch mit Kinderfrau geht es dann, ausgeschlafen und satt meist noch auf den Spielplatz oder zu Freunden.
Um 16.00 Uhr ist bei uns der Kindergartentag zu Ende.
Am Tagesablauf ändern wir möglichst wenig um den kleinen Kindern Sicherheit zu geben. Sicherheit entsteht, wenn Kinder wissen wie der Tag weitergehen wird. Rituale sind für Kinder unter 6 Jahren wichtig und geben Sicherheit. Besonders beim Mittagsschlaf ist das tägliche Ritual wichtig.
In der warmen Jahreszeit spielen wir mit den Kindern auch gerne in unserem Innenhof, wo ein großes Gartenhaus mit vielen Rutschautos, Dreirädern und Bällen auf uns wartet. Der Hof ist schattig und im Hochsommer besonders angenehm.
Erfahrungen aus 10 Jahren Kleinkinderkrippe
Warum wir meinen in einer „gut geführten Kinderkrippe“ zu arbeiten.
- Wir haben geregelte Öffnungszeiten – Kleinkinder bis 3 Jahren sollten nie länger als 8 Stunden in einer Gruppe sein. (Meiner Meinung nach auch nicht bei Tagesmüttern – aber da kann man natürlich geteilter Meinung sein)
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- In einer ruhig geführten Gruppe lernen auch Kleinkinder sehr viel voneinander
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- Eine gute Krippe hat einen geregelten Tagesablauf, wofür besonders die ganz Kleinen sehr dankbar sind.
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- Bei uns gibt es keine wechselnden Betreuungspersonen. Kleinkinder reagieren mit Angst, wenn die „eigene“ Tante nicht da ist, sogar schon wenn die „eigene“ Tante einmal etwas anderes tut als sonst (z.B. Wickeln, Schlafen mitgehen, etc.) Die „Wickeltante“ kennt die Besonderheiten von jedem Kind, die „Fütter- oder Essenstante“ kennt die Vorlieben von jedem Kind, die „Schlaftante“ weiß Bescheid, welches Stofftier welchem Kind gehört, wer ein Fläschchen, wer einen Schnuller benötigt etc.( Das ist allerdings manchmal wirklich eine Wissenschaft!!!)
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- Wir sind ein eingespieltes Team. Auch Betreuer sind nicht immer „gut drauf“. Auch Betreuer haben manchmal Kopfschmerzen, private Sorgen - mit einem Wort sie sind auch nur Menschen, mit guten und schlechten Tagen. Da ist es besonders wichtig, dass die Betreuer Partner sind und jeder den anderen unterstützt.
Dinge, an die man unserer Meinung nach, denken sollte, bevor Eltern ihre Kinder einer Vertrauensperson zur Betreuung übergeben:
Eltern die sich dazu entschließen ihr Kind von einer anderen Person als Mutter oder Vater (auch Großeltern, Freundinnen und Tagesmütter zählen dazu) betreuen zu lassen, sollten sich einige Dinge schon frühzeitig überlegen:
So lange die Mutter das Kind stillt ist jede Form der Fremdbetreuung schwierig. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass Mütter zunehmend ihre Kinder länger stillen. Für das Kind ist es aber sehr schwierig abgestillt zu werden und sich gleichzeitig an andere Personen zu gewöhnen. Das Kind vermisst dann die exzessive körperliche Nähe besonders schmerzlich. Es wäre daher sicher leichter für Mütter und Kinder wenn das Kind rechtzeitig abgestillt wird, bevor das Kind von einer anderen Person betreut wird. . Wir sprechen hier von Kindern zwischen 12 bis 18 Monaten.
Auch das heute sehr viel verwendete Tragetuch für Babys hat so seine Tücken. Wenn das Kleinkind gewohnt ist ständig von Mutter oder Vater am Körper getragen zu werden, dann hat das Baby ein sehr ausgeprägtes Weltbild aus der Perspektive der Erwachsenen - im schlimmsten Fall fürchtet es sich, so bald es auf den Boden kommt. Es ist in einer Krippe schwierig das Kind ständig zu tragen. Hier spielt natürlich das Temperament des Kindes eine große Rolle. Ein 12 Monate altes Kind sollte aber „fußbodengewohnt“ sein um zu krabbeln und dann laufen zu lernen. Dann wird es das große Angebot an Spielmaterial gerne erobern wollen und auch gerne in die „Spielgruppe“ kommen.
Sehr hilfreich ist es natürlich auch, wenn das Kind an den Löffel gewöhnt ist. Wenn es ausschließlich mit Flasche oder Brust ernährt wurde und dann in der Krippe (oder auch bei der Tagesmutter) mit einem Löffel gefüttert werden soll, so ist das auch eine Umstellung, die viel besser schon zu Hause von Mutter oder Vater probiert werden könnte.
Wie erkennen Eltern ganz kleiner Kinder, ob die Kinderkrippe für sie geeignet ist??
Sie sollten sich vor allem einmal selbst wohl fühlen.
Sie sollten dort immer willkommen sein.
Sie sollten die Gruppenräume immer betreten dürfen.
Die Gruppe sollte Ruhe und Fröhlichkeit ausstrahlen.
Die „Eingewöhnungsphase“ sollte genau geplant sein und auf das eigene Kind abgestimmt werden. Allerdings sollte diese Phase auch keine „monatelange“ Prozedur sein.
Der Draht zwischen den Betreuern und den Eltern sollte einfach „stimmen“.
Wie viele Betreuer sind ständig anwesend, besonderes Augenmerk ist auf die Beginn- und die Schlusszeit zu richten.
Was geschieht im Falle einer Erkrankung einer Betreuerin?
Welche Urlaubszeiten sind einzuplanen bzw. welche Schließtage hat die Krippe.
Erst wenn das alles stimmt, dann kann man auf die nächsten Punkte übergehen!
Essen, schlafen, wickeln, Spielmaterial, Programm
Essen:
Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass es natürlich nicht immer möglich ist, auf alle Wünsche der Eltern einzugehen. Kompromisse sind manchmal notwendig.
Aber auch in einer Kinderkrippe sollte es möglich sein, auf Allergien weitgehend Rücksicht zu nehmen. In der Kinderkrippe ist es aber kaum möglich, den Kinder ununterbrochen etwas zu essen zu geben. Das ständige Kauen an Semmeln oder das ununterbrochene Nuckeln an Fläschchen ist aus hygienischen Gründen nicht möglich. (Wenn Markus das Flascherl stehen lässt, dann findet sich sicher Anna die daraus trinken will. Auch für abgelutschte Semmelstücke finden sich immer wieder Liebhaber – wenn nicht könnten es Ameisen werden!!) Es ist also durchaus sinnvoll, wenn die „Tanten“ darauf bestehen, dass die Kinder während des Essens und Trinkens sitzen bleiben.
Schlafen:
Kleinstkinder brauchen eine ruhige und heimelige Atmosphäre beim Schlafen. (Unsere Kinder haben allesamt immer gerne bei uns geschlafen. Es war oftmals so, dass Kinder die mittags ausnahmsweise früher abgeholt wurden gar nicht nach Hause gehen wollten.
Wir geben daher den Kindern gerne ihre gewohnten Schlaftiere, Schnuller, Flasche etc. mit auf das Bett. Wer gar nicht anders kann, darf auch am Arm der Kindergärtnerin einschlafen und wird erst fest schlafend auf das Bett gelegt.)
Wickeln :
Die Kinder sollten möglichst sauber (also gewickelt) den Eltern übergeben werden! Manche Kinder allerdings warten mit ihrem „großen Geschäft“ bis sie eine frische Windel haben - das ist dann Pech!
Die Kinder sollten natürlich immer gewickelt werden, wenn der Geruch es erfordert.
Spielmaterial
Es sollte in einer Krippe möglichst viel gleiches Spielzeug vorhanden sein. Besonders die 2-jährigen wollen vielfach mit gleichen Spielsachen spielen. Es sollten daher genügend Puppenwägen, Sielzeugautos, Eisenbahnen, Puppen, Teddys etc. vorhanden sein um die 2-3jährigen in ihrer Ich-Lernphase vor dauernden Streitereien zu bewahren. Auch Küchengeschirr und Bausteine sollten in großer Anzahl vorhanden sein. Ein Dauerkampf um Spielzeug führt besonders bei wütenden 2-3 jährigen zu großer Unruhe. Das Spielzeug sollte auch für die Kleinsten leicht zugänglich aufbewahrt werden. Auch Bücher sollten für die Kinder erreichbar sein (Das Argument, dass die Kinder die Bücher zerreißen, sollte nicht gelten, auf Flohmärkten sind Bücher relativ preiswert zu erstehen.)
Auch eine Krippe sollte ein Programm haben:
Singen, Tanzen, Hüpfen, Klatschen
Feste feiern,
Feste mit Eltern feiern (Sommerfest, Laternenfest, Fasching, usw.)
Basteln (etwas schwierig mit 1-2 jährigen Kindern aber bei den 3 jährigen ist schon manches möglich)
Dinge des täglichen Lebens, die Kinder in der Gruppe leichter und stressfreier lernen :
Besonders der Umgang der Kinder miteinander – das soziale Miteinander – lernen die Kinder in der Gruppe leichter.
Es gibt in jeder Gruppe ein paar soziale Regeln die das Miteinander bestimmen. Das ist
-Warten lernen (warten auf Spielsachen mit denen jemand anderer gerade spielt, warten auf das Essen, und nicht zuletzt natürlich auch warten auf die Eltern)
-Körperliche Aggressionen zu beherrschen (schlagen, beißen, stoßen, - alles normale Eigenschaften von 2 – 3 jährigen Kindern - es wird versucht es den Kindern begreiflich zu machen, dass das weh tut.)
-Rücksichtnahme auf Kleinere
- Sich Freunde zu suchen und aufeinander zuzugehen. Sich einen Platz in der Gruppe zu suchen (ganz besonders wichtig bei den 3 jährigen)
- Sauber werden (die gleichaltrigen Freunde sitzen gleichzeitig auf dem Topf – die kleineren schauen schon sehr zeitig zu!)
- Essen lernen (alle Kinder nehmen einen Löffel, alle Kinder sitzen beim essen und trinken)
-selbständiges an- und ausziehen (besonders bei Kindern die schlafen gehen und dort ihre Hose und ihre Hausschuhe ausziehen ist es der Betreuerin nicht möglich alle Kinder gleichzeitig auszuziehen – also werden die Kinder aufgefordert selbständig zu agieren)
Es gibt auch für Betreuer unangenehme Dinge, die sie mit Eltern besprechen müssen :
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Unausgeschlafene Kinder (er ist erst um Mitternacht schlafen gegangen, wir hatten Besuch!)
Dieses Thema ist nicht einfach. Kinder die nicht zeitgerecht abends ins Bett gebracht werden und morgens zeitig aufgeweckt werden, sind den ganzen Vormittag über müde. Das ist für alle in der Gruppe, aber natürlich besonders für diese Kinder sehr anstrengend.
Kinder die, bevor sie zu uns gekommen sind, viel von Babysitterinnen betreut wurden!
Diese Kinder sind es gewohnt von einer „Bediensteten“ betreut zu werden. Sie verhalten sich dementsprechend! (Du musst mir das aufheben!! Du musst mir die Hausschuhe anziehen, ich will nicht! Ich will aber jetzt essen, du musst mir jetzt etwas geben nicht später!! .Ich will nicht gehen – du musst mich tragen....) Junge Frauen, die nur stundenweise von Eltern engagiert werden, um ihr Kind zu betreuen, haben kaum Interesse daran, sich mit den Kindern darüber zu streiten. Sie tun was die Kinder wollen. Bei Kindern unter 2 Jahren, die noch nicht sprechen können, hat es zur Folge, dass sie ständig beschäftigt werden wollen. Selbständigkeit wird kaum gefördert.
Kranke Kinder gehören nach Hause!!
Eltern sollten sich frühzeitig überlegen, welche Möglichkeiten sie haben das kranke Kind zu Hause zu pflegen, wenn beide Eltern berufstätig sind. Es gibt die Hauskrankenpflege für Kinder, aber es gibt auch den Omadienst. Viele Eltern haben gute Erfahrungen gemacht, sich an eine Pfarre zu wenden und sind dort mit netten erfahrenen Damen zusammengebracht worden, die gerne in der Familie als „Ersatzoma“ auch für kranke Kinder gesorgt haben.
Wir haben Eltern immer wieder gebeten, ihren Kindern morgens keine fiebersenkenden Zäpfchen zu geben. Das Fieber kommt meist gegen Mittag wieder.
In Kindergärten und Kinderkrippen ist es generell verboten Medikamente zu verabreichen!
Selbstverständlich ist jede Kindergärtnerin dankbar wenn ein Elternteil telephonisch Bescheid gibt, dass das Kind krank ist und was dem Kind fehlt.
Bezahlung
Alles was man nicht selbst machen kann, kostet Geld!
Gute Kinderbetreuung kostet auch Geld!
Besonders private Krippen müssen sehr knapp kalkulieren, daher ist es wichtig die finanziellen Verpflichtungen immer pünktlich zu erledigen. Miete, Gehälter, Finanzamt, Sozialversicherung, alles muss pünktlich überwiesen werden. Das klappt aber nur, wenn auch die Eltern ihren Verpflichtungen pünktlich nachkommen.
Private Kindergruppen und Krippen sind niemals reich !
Auch das dort angestellte Personal erhält in der Regel keine großartigen Gehälter!
Eltern sollten daran denken!
Es erfordert ziemlich viel Eigeninitiative und enorm viel persönlichen Einsatz (der von niemandem bezahlt wird) eine private Kinderkrippe zu führen.
Wie es dazu kam!
Wilfriede Karutz berichtet:
Ich bin gelernte Sekretärin, und habe in diesem Beruf 15 Jahre lang bei internationalen Firmen gearbeitet. Als ich mit 29 Jahren meine Tochter zur Welt brachte, hatte ich keine Ahnung was auf mich zukommen wird. Ich freute mich ungeheuer ein Kind zu haben und musste dann sehr rasch lernen, wie einsam ich plötzlich war. Meine Eltern leben in Oberösterreich und alle meine Freundinnen waren selbstverständlich zu dieser Zeit berufstätig. Ich kannte keine Familien. Die täglichen einsamen Spaziergänge mit Kinderwagen im Park waren mühsam. Auch finanziell war es dann sehr eng. Mein Großvater war im Jahr davor gestorben und hatte mir ein paar Tausend Schillinge hinterlassen, die mich einigermaßen über Wasser hielten und es mir erlaubten den Führerschein zu machen und mir ein gebrauchtes Auto zu kaufen. Es war zu dieser Zeit fast unmöglich mit dem Kinderwagen eine Straßenbahn zu benützen. Die Straßenbahnen wurden erst einige Jahre später so umgebaut, dass man mit einem Kinderwagen einsteigen konnte. Umhängetücher und ähnliches gab es erst Jahre später. Ich war also im Bezirk festgenagelt. Das war für mich, die ich immer gerne gereist bin, fast unerträglich. Als meine Tochter 7 Monate alt war bestand ich den Führerschein und konnte dann auch meine Eltern besuchen. Zu dieser Zeit begann ich mich dafür zu interessieren, wie und wo ich meine Tochter unterbringen werde, wenn meine 1-jährige Karenzzeit zu Ende geht. Ich versuchte verschiedene Kindergärten in meiner Wohnumgebung zu besuchen, aber das war nicht einfach. Besuche waren zu dieser Zeit nicht gerne gesehen. Ein Privatkindergarten mit Krippe hat mich nur in die Garderobe gelassen. Ich durfte die Räume nicht sehen und man teilte mir mit, dass die Kinder ausschließlich an der Türe übernommen werden. Eltern hätten zu den Gruppenräumen keinen Zutritt. Von einer Eingewöhnungsphase war keine Rede. Meine Schwester – eine Logopädin- und meine Mutter rieten mir von jeder Form der Kinderkrippe vollkommen ab und die Art, wie man mir die Kinderkrippe präsentierte hat mich überzeugt, dass das für Kinder unglaublich schlecht sei.
Ich entschied mich für eine Kinderfrau. Eine 64 jährige Pensionistin, die 4 Kinder großgezogen hatte stellte sich bei mir vor und ich war glücklich, dass sie mit meiner Tochter gut harmonierte. Vom 1. Geburtstag bis zum Alter von 3 ½ Jahren sorgte und erzog nun diese sehr nette Dame meine Tochter. Der einzige und gravierende Nachteil dieser Betreuung, den begriff ich erst sehr viel später. Meine Tochter verbrachte täglich von Montag bis Freitag bei halbwegs schönem Wetter jede freie Minute im nahe gelegenen Park. Aber sie war dort nicht auf Spielplätzen sondern entweder im Kinderwagen oder auf Parkbänken oder in der Wiese. Meine Kinderfrau wollte sich nicht mit den Streitereien mit anderen Kindern auseinandersetzen und sie wollte nicht, dass meine Tochter schmutzig wird. Sie wollte dem Kind auch nicht nachlaufen müssen etc. Meine Tochter war also überhaupt nicht an den Umgang mit Kindern gewöhnt. Am Wochenende fuhr ich oft zu meinen Eltern, die ein Haus mit Garten besitzen und wo mein Vater alles „kindgerecht“ eingerichtet hatte. Es gab eine Sandkiste und jede Menge Spielzeug. Meine Eltern waren noch jung. Mein Vater ist erst 3 Jahre später in Pension gegangen. Meine Tochter lernte sehr früh zu sprechen, war früh „sauber“, kannte alle Geschichten in den Büchern, es wurde täglich für sie frisch gekocht, sie hatte einen geregelten Tagesablauf, sie liebte ihre Tagesmutti über alles.
Ich erkannte aber die Nachteile erst als meine Tochter in den Kindergarten kam. Ihre tägliche Angst konnte ich mir erst nach und nach erklären. Eine einfühlsame Kindergärtnerin hat fast 2 Jahre gebraucht um ihr das Spielen mit Kindern schmackhaft zu machen. Dazu kam dann natürlich auch noch die körperliche Ungeschicklichkeit. Ich habe erst sehr viel später begriffen, dass meine Tochter viel zu oft auf Parkbänken saß. Es hat meinem Kind gefallen viele Bücher vorgelesen zu bekommen. Aber Klettergerüste und Rutschen waren ihr fremd.
Als meine Tochter 5 Jahre alt wurde kam ihr Bruder zur Welt. Damit änderte sich in unserer Familie fast alles. Ich ging auf Spielplätze Ich lernte Familien kennen. Ich erkannte, wie wichtig der Umgang auch ganz kleiner Kinder mit anderen Kindern ist. Ich erkannte, dass es zwar schön ist, wenn 3-jährige Kinder Gedichte und Bücher auswendig kennen, aber dass der Umgang mit anderen Kindern mindestens genau so wichtig ist. Ich erkannte, dass meine Tochter viele Dinge erst mit 6 und 7 Jahren lernen musste, was mein Sohn schon mit 2 und 3 Jahren konnte. Nämlich mit anderen Kindern spielen, wobei ich nicht so sehr seine Schwester meine. Er konnte sich mit 2 und 3 Jahren schon in der Sandkiste behaupten.
Das änderte nun auch meine Vorstellung von Berufstätigkeit. Ich wollte nun sicher gehen, dass meine Kinder genügend Möglichkeit haben mit anderen Kindern zu spielen. Als mein Sohn fast 3 Jahre alt war habe ich mich entschlossen eine ½ tags Stelle anzunehmen und ihn in den Kindergarten den schon meine Tochter besucht hat und der mir gefallen hat, zu geben.
Es war für mich ein beruflich großer Abstieg , aber es ließ sich mit der Schule und dem Kindergarten der Kinder vereinbaren und ich hatte den Nachmittag für Besuche im Park und bei anderen Familien Zeit. Dann ging die Firma bei der ich beschäftigt war in Konkurs.
Als meine Tochter 17 und mein Sohn 12 Jahre alt waren war ich wieder einmal arbeitslos.
Einigermaßen frustriert, begann ich mir Geschäftsideen anzuschauen. Eine dieser Ideen, die in Hamburg umgesetzt wurden war, eine Kindergruppe zu gründen, die die Kinder auch stundenweise betreut. Ich dachte an meine eigene Situation, wenn man keine Großeltern in Wien hat, die einem ab und zu einmal die Kinder abnehmen können um verschiedene Wege schneller und besser erledigen zu können und daran, dass es meiner Tochter sicher im Kindergarten besser gegangen wäre, wenn sie frühzeitiger gelernt hätte, mit anderen Kindern zu spielen.
Da traf ich eine Bekannte, die seit 10 Jahren Tagesmutter war und von der ich wusste, dass sie gelernte Kindergärtnerin ist. Ich fragte sie, ob sie nicht Tagesmutter in einer eigenen Wohnung sein möchte und sie war von der Idee begeistert.
Eine passende Wohnung war in der Martinstraße im 18. Bezirk schnell gefunden und wir begannen im September 1993 unter dem Titel
2 Tagesmütter betreuen ihr Kind stundenweise, in einer hellen Wohnung.
Margarethe Königstätter berichtet:
Bericht von Margarethe Königstätter
Als Frau Karutz mit der Idee einer gemeinsamen Kinderbetreuung in einer eigens dafür angemieteten Wohnung, zu mir kam, war ich sofort begeistert. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits seit mehr als zehn Jahres als Tagesmutter tätig. Ich war also schon daran gewöhnt, dass in meiner Wohnung seit vielen Jahren ein Gitterbett, Babyspielzeug, Windeln, Fläschchen etc. vorzufinden waren. Was mir aber zunehmend zu schaffen machte war der Umstand, dass ich häufig zwei Babys oder Kleinkinder gleichzeitig in den 4. Stock tragen musste. Dazu natürlich die Einkaufstasche. Da machen sich dann die Jahre langsam bemerkbar. Ich war also über eine Alternative recht froh. Da ich aber den Eltern meiner drei Tageskinder im Wort war ihre Kinder bis zum Kindergartenalter (3Jahre)zu betreuen, musste ich natürlich erst deren Zustimmung abwarten. Die wurde gerne gegeben und so konnte der Plan in die Praxis umgesetzt werden.
Es war dieses erste Jahr sicher nicht immer ganz einfach. Da waren die eher unsicheren wirtschaftlichen Aspekte und natürlich die tägliche Anreise mit meinen Tageskindern. Nicht immer war es möglich, dass Frau Karutz und ich gemeinsam in die Kindergruppe bzw. von dieser nach Hause fuhren. Sind Sie schon mal mit drei kleinen Kindern (alle unter drei Jahren) allein in der Straßenbahn gefahren? In der U-Bahn? Auf der Rolltreppe? Da hatte ich manche Gelegenheit mich über das "goldne Wienerherz" zu wundern. Es war wirklich selten, dass jemand seine Hilfe oder seinen Sitzplatz angeboten hat. Aber jede Medaille hat zwei Seiten. Die Kinder waren aufmerksame Beobachter ihrer Umwelt und sie sahen Dinge, die wir Erwachsenen überhaupt nicht mehr bemerken. Ob es jetzt die sich drehende Kugel über dem Bankeingang war, der große schwarze Hund der täglich zur gleichen Zeit Gassi geführt wurde, die Adventbeleuchtung - es gab immer viel zu sehen.
Es war für die Kinder auch eine ungewohnte Situation, dass meine Aufmerksamkeit nun auch noch anderen Kindern galt. Dafür waren die neuen Räume keine Wohnung, sondern zwei Zimmer, die für Kinder eingerichtet waren.
Das heißt: die Tische und Sessel waren niedrig genug um bequem und ohne Absturzgefahr daran zu sitzen. Das Angebot an Spielmaterial war weitaus größer und ein Kreisspiel mit mehr als drei Kindern ist nun einmal anders.
Aus drei Tageskindern die sich schon lange kannten wurde langsam eine Kleinkindergruppe mit 8-10 Kindern. Der Übergang in den Kindergarten war dann im folgenden Herbst kein Problem mehr. Das Gruppenleben war schon erlernt worden.
Als wir dann im zweiten Jahr auch die Ganztagsbetreuung und somit auch ein Mittagessen angeboten haben, da mussten wir selbst auch noch fleißig dazu lernen. Welche Speisen werden angenommen, welche Speisen kann man vom Zeitaufwand her NICHT anbieten, müssen alle Kinder zu Mittag schlafen, wer übernimmt welche Aufgabe usw. Wir haben nun im Laufe der Jahre in allen Belangen viel Erfahrung gewonnen. Wir lernen immer noch! Manche unserer ursprünglichen Vorstellungen haben sich als undurchführbar erwiesen (z.B.
Märchenstunde durch engagierte Großmütter, die Altersstruktur von 0- 10 Jahren), andere Angebote wurden einfach nicht angenommen (Betreuung am Samstag bis Mittags).
Jahrelang wurde in unserem Kinderkreis nur die Anzahl der Tage bezahlt, die auch konsumiert wurden. Das mussten wir in dem Moment ändern, als der Verein gegründet war und wir als Betreuungspersonen mit fixem Gehalt angestellt waren. Nur mit einem Finanzplan kann man auch die entsprechenden Förderungen beantragen. Im Nachhinein gesehen, hatten wir in den Anfangsjahren einfach Glück, dass die Auslastung entsprechend gut war.
Ich bin heute noch froh und dankbar, dass wir diesen Weg gegangen sind. Er verbindet eine gewisse Form der Selbständigkeit mit dem Korsett der Notwendigkeit. Insgesamt eine Kombination die Routine erfordert, aber keinen Stillstand gestattet.
Von 1993 bis 2003
Der Anfang war schwer. Frau Königstätter brachte ihre 3 Tageskinder mit und Frau Karutz ging Zettel hinter Windschutzscheiben steckend durch die Straßen des 18. Bezirks. Wir begannen im September und zu Weihnachten konnten wir 5 weitere Kinder vormittags betreuen. Im 2. Jahr war es dann schon etwas leichter. Wir hatten einen Artikel im Eltern-Heft platzieren können und da meldeten sich sehr viele Eltern und wir konnten auch den Nachmittag anbieten. Auch das 3. Jahr war erfolgreich.
Der Mietvertrag in der Martinstraße im 18. Bezirk war nur auf 3 Jahre abgeschlossen und so gingen wir wieder auf Wohnungssuche.
Wir fanden ein geeignetes Objekt in der Schulgasse. Der Hausherr wohnt dort mit Familie und wir waren von Anfang an gerne gesehen. Allerdings gab es sehr viel zu tun. Die beiden Zimmer waren mit Teppichböden beklebt, darunter befand sich ein sehr schöner alter Parkettboden. Wir fingen an die Wohnung zu adaptieren. Wir liehen uns eine extrem schwere Bodenschleifmaschine aus und begannen die Klebstoffreste abzuschleifen. Wir beide hatten so eine Arbeit noch nie gemacht. Eine Unmenge an Schleifpapier wurde benötigt – und am Ende des Wochenendes waren wir müde aber sehr stolz auf unsere Arbeit. Die Böden wurden 3 x mit Naturbodenlack versiegelt. Die ganze Wohnung wurde ausgemalt und dann haben wir Stück für Stück mit meinem kleinen PKW die Spielsachen und die Möbel übersiedelt. Diese ganze Aktion dauerte von Juni bis August. Anfangs September haben wir neu in der Schulgasse begonnen.
Der Anfang war wieder schwer. Wir haben natürlich in den 3 Jahren in der Martinstraße gelernt, dass eine Kindergruppe mit Kindern die nur stundenweise kommen nicht zu führen ist und dass Eltern so kleiner Kinder einfach eine „flexible Betreuung“ suchen. Selbständig arbeitende Frauen (Rechtsanwältinnen, Ärztinnen, Geschäftsfrauen, Journalistinnen, Musiker, freiberuflich Tätige etc) suchen eine Betreuung für ihre Kinder die sich mit ihrer Berufstätigkeit vereinbaren lässt. Diese Frauen haben zumeist selbst flexible Arbeitszeiten. Auch Studentinnen suchen eine Betreuung die ihnen Freiräume lässt.
Jetzt begannen wir zu überlegen, wie wir es anstellen könnten, dass wir zu einer Sozialversicherten Anstellung kommen könnten. Bis dahin haben wir beide als freiberufliche Tagesmutter gearbeitet, ohne soziale Absicherung.
Frau Königstätter wollte sich scheiden lassen – ihr Mann wohnte schon seit mehreren Jahren nicht mehr bei der Familie. Das ging aber nur wenn sie eine soziale Absicherung hat.
Nach mehreren Versuchen bei Vereinen, hat uns der Verein Kinderdrehscheibe geraten, doch selbst einen Verein zu gründen und damit dann eine Möglichkeit einer Anstellung zu schaffen, außerdem konnte man dann verschiedene Förderungen in Anspruch nehmen.
So war es dann auch. 1996 wurde der Verein von der Vereinpolizei genehmigt und wir konnten uns um Förderungen bemühen.
Wir waren eine Kindergruppe und als solche durften wir 10 Kinder betreuen. Die Förderung vom Arbeitsamt konnten wir 3 Jahre lang in Anspruch nehmen, dann lief dieses Förderprogramm aus. Nun wandten wir uns an die Gemeinde Wien. 1999 erhielten wir die Genehmigung eine Kinderkrippe zu führen und damit erhielten wir auch von der Gemeinde Wien eine Förderung die es uns ermöglicht, diese Kinderkrippe schuldenfrei zu führen.
Ein großer Einschnitt in unsere finanzielle Situation hat nochmals das Jahr 2001 gebracht. Der Hausherr hat uns genehmigt, dass wir den netten kleinen Innenhof des Hauses im Sommer benützen können. In diesem Innenhof befindet sich ein kleinen Hausmeisterhäuschen mit ca. 40 m2 . Dieses Haus wurde im Dezember 2000 frei und man fragte uns ob wir es mieten wollten. Wir griffen schnell zu, da es sonst an eine Firma als Lager vermietet worden wäre und wir dadurch dann auch den Hof nicht mehr hätten benützen können.
Also fingen wir wieder an zu renovieren. Eine Zwischenwand musste entfernt werden und die Böden waren wieder in einem katastrophalen Zustand. Wir beide verbrachten jeden Nachmittag im Hof. Wir rissen die Wand nieder, wir betonierten den Boden des Vorraumes, wir legten Schaumpolsterbeläge, wir tapezierten und kauften Tische und Sessel. Jetzt ist das Häuschen ein Refugium im Sommer. Wir haben Rutschautos und Dreiräder untergebracht und können sowohl drinnen wie auch draußen spielen. Von Oktober bis Ende März dient es zur Überwinterung unserer Blumenkästen und zur Aufbewahrung unseres Bio-Apfelsaftes.
Die Geschichte der Kinderkrippe
Die folgende Geschichte der Kinderkrippe zeigt deutlich, warum auch heute noch die Betreuung von 1 bis 3 jährigen Kindern in einer Kinderkrippe massiven Vorurteilen unterliegt. Auch heute noch sind Mütter, die ihre Kinder in einer Krippe betreuen lassen Kritiken innerhalb der Familie, und auch am Arbeitsplatz ausgesetzt. Mütter und Väter werden als „schlechte Eltern“ bezeichnet. Die Zeiten, als Krippen „Bewahranstalten“ der unteren Einkommensschichten gegolten haben, sind längst vorbei. Gute Kinderkrippen sind heute keineswegs „billig“.
Anschließend die Geschichte der Kinderkrippe, die ich im Internet unter http://www.kindergartenpaedagogik.de (zuletzt besucht am 20.12.03 / 15:17) gefunden habe:
„Als Kinderkrippen werden Tageseinrichtungen bezeichnet, in denen Unter-Dreijährige in kleinen Gruppen durch qualifiziertes Personal fremd betreut werden. Die wahrscheinlich erste Kinderkrippe wurde 1802 von Fürstin Pauline von Lippe-Detmold für "von der Brust entwöhnte" Kinder bis zum zweiten Lebensjahr eröffnet. Die Kinder wurden nur von Mitte Juni bis Ende Oktober - und zwar von 06.00 bis 20.00 Uhr - betreut, sodass ihre Mütter ungestört der Feldarbeit nachgehen konnten. Eine "Bewahrschule" für Kinder vom ersten Lebenstage bis zum fünften Lebensjahr wurde 1819 unter Protektion der Prinzessin Alexandrine in Berlin gegründet. Diese Einrichtungen bestanden aber nicht lange. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurden wieder Kinderkrippen gegründet, zuerst in Dresden (1851), dann in Berlin, Hamburg und Frankfurt (jeweils 1852), in München (1854) und Nürnberg (1857). Träger der Kinderkrippen waren zumeist Vereine, in denen sich vor allem Frauen aus dem gehobenen Bürgertum engagierten und die oft unter der Protektion von Adeligen standen. Aufgenommen wurden gesunde Kinder im Alter von sechs Wochen bis drei Jahren von armen, außerhalb ihres Haushaltes erwerbstätigen, verheirateten oder verwitweten Frauen - aber auch "Hurenkinder". Aufgrund schlechter hygienischer Zustände war die Sterblichkeit der Kinder recht hoch (Berger 1997).
Nach Beginn des 1. Weltkrieges begann ein Ausbau des Krippenbereichs, da viele junge Mütter als zusätzliche Arbeitskräfte benötigt wurden. Insbesondere die Gründung von Betriebskrippen wurde forciert. Die großen wirtschaftlichen Probleme in der Weimarer Zeit führten dann dazu, dass die meisten Kinderkrippen aufgrund finanzieller Probleme aufgelöst werden mussten. Die Übrigen wurden laut dem 1922 beschlossenen Reichsjugendwohlfahrtsgesetz (RJWG) den 1922 bis 1924 gegründeten Jugendämtern unterstellt. Auch im Dritten Reich spielten Kinderkrippen keine größere Rolle, da die Mütter zu Hause bleiben und sich der Erziehung ihrer Kinder widmen sollten. Kinderkrippen, die dem Hilfswerk "Mutter und Kind" unterstellt wurden, waren nur für Mütter in sehr ungünstigen sozialen Verhältnissen gedacht (ledige Erwerbstätige oder kranke Frauen). Allerdings wurden so genannte "Erntekrippen" intensiv gefördert, die nur kurze Zeit im Sommer und Herbst eines Jahres bestanden und der Entlastung der Landfrauen dienten (Berger 1997).
Nach dem 2. Weltkrieg wurde in der DDR der Ausbau des Krippenwesens stark forciert, um den jungen Müttern die Erwerbstätigkeit zu ermöglichen und damit ihre Gleichberechtigung mit dem Mann sicherzustellen. Zugleich wurden Kinderkrippen als unterste Stufe des Bildungssystems definiert. Durch sie sollten auf der marxistisch-leninistischen Lehre beruhende Erziehungsziele erreicht werden. In der alten Bundesrepublik wurde hingegen entsprechend des bürgerlichen Familienideals die Erziehung von Unter-Dreijährigen in der Familie propagiert - die wenigen Krippenplätze waren nur für "Sonderfälle" wie die Kinder erwerbstätiger Alleinerziehenden gedacht. Dementsprechend wurden Kinderkrippen dem Sozialsystem zugeordnet. Außerdem wurden sie bis Mitte der 70er Jahre (und zum Teil noch heute) von Fachleuten mit einer kinderärztlichen oder tiefenpsychologischen Orientierung negativ beurteilt, wobei auf die Hospitalismus-Untersuchungen von René Spitz und die Bindungsforschung von John Bowlby zurückgegriffen wurde (Berger 1998). Erst Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre begann ein etwas intensiverer Ausbau des Krippenbereichs, da die Nachfrage nach Plätzen zunahm und offensiver vorgetragen wurde. Diese verschiedenen Entwicklungen in Ost und West erklären, wieso es nach der Wiedervereinigung so große Unterschiede hinsichtlich der Versorgung mit Krippenplätzen gab.“
Literatur
Berger, M.: Zur Geschichte der Kinderkrippe in Deutschland, Teil 1. Wehrfritz Wissenschaftlicher Dienst 1997, Heft 66, S. 19-23
Berger, M.: Zur Geschichte der Kinderkrippe in Deutschland, Teil 2. Wehrfritz Wissenschaftlicher Dienst 1998, Heft 67/68, S. 22-26
Engstler, H.: Die Familie im Spiegel der amtlichen Statistik. Bonn: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 1999
Textor, M.R.: Bevölkerungsentwicklung: Konsequenzen für Gesellschaft und Politik. In: Textor, M.R. (Koord.): Sozialpolitik. Aktuelle Fragen und Probleme. München: Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit 1996, S. 11-28